, Droguett Francisco

Damen 2: Mit angezogener Handbremse zur Tabellenspitze

Das Spiel hatte eigentlich alle Ingredienzen, um verloren zu gehen: inkonstantes Sideout (nur 50%), insgesamt weniger Druck am Service, ungewohnt viele Eigenfehler (Total 24), fahriges Spiel und auf der anderen Seite des Netzes ein kämpferisch starker Gegner mit guten Einzelspielerinnen (davon zwei mit VBC Uni Bern Vergangenheit). Aber der Reihe nach:

Bis zum 5:5 verlief der erste Satz ausgeglichen, danach konnten wir uns einen 18:10-Vorsprung erarbeiten, den wir dann aber für uns untypischer Weise nicht durchzogen. Wir spielten über weite Strecken pomadig und ließen Schwarzenburg bis zum 23:20 herankommen, bevor wir den Satz doch noch zum 25:20 abschließen konnten.

Mit dieser Spielweise nährten wir den Erfolgshunger und vor allem die Zuversicht der Gegnerinnen. Einen frühen 4:7-Rückstand Anfang zweiten Satzes konnten wir zwar bald ausgleichen, aber es entwickelte sich danach ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Schwarzenburgerinnen versuchten am Service noch mehr Druck zu entfalten, warfen sich leidenschaftlich in jeden Ball und konnten ihrerseits ein paar sehenswerte Angriffspunkte verzeichnen. Nachdem wir uns zwischenzeitlich einen kleinen Vorsprung erarbeitet hatten, kam Schwarzenburg zur Money-Time noch einmal auf und glich zum 23:23 aus. Einen Ballwechsel später sahen wir uns zum ersten Mal in dieser Saison mit einem Satzball gegen uns konfrontiert, 23:24. Was folgte zeigt die Geschlossenheit, die Stärke und das Gefestigte unserer Mannschaft: Mit einer guten Annahme, einem klaren Pass und einem clever abgeschlossenen Angriff glichen wir zum 24:24 aus. Zwei Service später hatten wir auch den zweiten Satz mit 26:24 in der Tasche.

Damit war aber Schwarzenburg noch lange nicht gebrochen, im Gegenteil: Anfangs dritten Satz waren wir bald 3:7 in Rückstand, konnten wiederum ausgleichen und sogar bis zum 22:15 davonziehen. Was aber Schwarzenburg an diesem Abend auszeichnete, zeigte sich jetzt nochmals: Hartnäckigkeit, engagiertes Spiel, kämpfen um jeden Ball. Naja, und wir hatten die Handbremse immer noch nicht wirklich gelöst, Resultat: Plötzlich stand es 24:23. Was nun aber wiederum uns in diesem Spiel auszeichnet hatte, konnten wir auch jetzt wieder unter Beweis stellen: Die Kaltblütigkeit den Satz auf Messers Schneide für uns zu entscheiden, 25:23. Damit war im zweiten Spiel das zweite 3:0 gesichert.

In Spielen, in denen man als Mannschaft vielleicht nicht auf der Höhe der eigenen Leistungsfähigkeit spielt, entscheiden dann nicht-volleyballerische Elemente wie Routine, Charakterstärke, Gelassenheit über Sieg oder Niederlage: Wir vermochten – mit einer Ausnahme – beispielsweise jedem einzelnen eigenen Timeout das direkte Sideout folgen zu lassen, was nicht nur im zweiten Satz bei 23:24 eminent wichtig war. Bei Schwarzenburg hatte vergleichsweise nur ein Timeout direkte Wirkung. Auch die Breite des Kaders ist dann mitentscheidend: Jede eingewechselte Spielerin konnte den von ihr erwarteten Input geben und dem Team so weiterhelfen.

Das Spiel hatte also wie gesagt eigentlich alles, um verloren zu gehen. Aber eben nur eigentlich. Und vielleicht zeichnet uns das halt auch aus: Dass wir als gefestigte Mannschaft auch Spiele gewinnen, bei denen wir nicht das Leistungsmaximum abrufen können. Nun grüßen wir verlustpunktfrei und als einziges Team ohne Satzverlust von der Tabellenspitze - nach zwei Runden wohl noch nicht so aussagekräftig, aber immerhin schön. Auch in diesem Sinne freuen wir uns auf die nächsten Herausforderungen - die nächsten Teams werden ungleich schwerer zu spielen sein - , wir wissen, auf welches Fundamten wir bauen können und auch woran wir noch arbeiten müssen.